Ausstellung von Johann Manfred Kleber: "Tausend Deutsche Filze" -
in der Nachbarschaftsgalerie -
(02. bis 30. April 2011)
Am Freitag, dem 01. April 2011, findet um 19:00 Uhr in der Nachbarschaftsgalerie der KungerKiezInitiative in Alt-Treptow die Ausstellungseröffnung mit Bildern von Johann Manfred Kleber statt.
Wer alle sechs auf der Einladung und dem Plakat abgebildeten Filze während der Ausstellungseröffnung als Erster findet, erhält diese gratis und gerahmt am Ende der Ausstellung.
Die Ausstellung wird von Samstag, dem 02. bis Samstag, dem 30. April zu sehen sein.

Johann Manfred Kleber
1941 in Berlin - Pankow geboren. 1967 eröffnete er seine erste Galerie für Moderne Kunst, in Berlin - Wilmersdorf die Galerie Natubs, 1971 seine zweite, in Berlin - Charlottenburg die Galerie Kleber zusammen mit seiner Frau Andrea Kleber. 1989 beendete er seine Galeristen- und Kunsthändlertätigkeit.
Seitdem beschäftigt er sich mit unterschiedlichen skripturalen Praktiken. Er verwendet eigene, aber auch absurde und Nonsens-Texte, die er bis zur Unlesbarkeit verfremdet, indem er mehrere sogenannte Hohlschriften übereinander schreibt; oder er verwendet nur die Schatten der Buchstaben, die - kreuzweise übereinander gesetzt - Assoziationen an asiatische Schriften wecken. Dies ist natürlich beabsichtigt. Übrigens sieht sich Kleber in der Nachfolge der Dadaisten, die ihn schon als Schüler faszinierten.
Angefangen hatte es 1964, als er mit anderen eine Nonsense - Festschrift herausgab. Seit 1984 beschreibt Kleber triebhaft die unbedruckten Seiten von Bierdeckeln, anfangs mit dem (Alkohol-) Tief - (Schwach-)Sinn der Gäste seiner Kneipe Galerie Natubs.
Andere Arbeiten sind auf naturfarbene oder gefärbte Baumwoll- und Leinenstoffe, aber auch auf die verschiedensten Papiere und Kartons, vielfach mit Tinten, Tuschen, Blei- und Farbstiftengeschrieben.
Seit 1997 stellt Kleber regelmäßig aus.
Im Märkischen Museum in Berlin gab es eine Ausstellung historischer Spielkarten. Auf stumpfer, poröser Pappe zeigten sich geheimnisvolle Miniaturen. Klebers Zeichensysteme erinnern mich an Spielkarten. Warum? Woher kommt das?
Ich spiele mit.
Spielkarten kommen aus dem Orient. 1000 und eine Nacht. 1000 Bierdeckel nahm er sich vor zu besprechen mit seiner Zeichensprache.
Spielkarten wurden erstmalig erwähnt in Frankreich und Spanien. Der spanische Dichter Cervantes schreibt in einigen seiner Werke von Spielkarten und nannte sie des Teufels Gebetbuch. Die Farben s c h w a r z und r o t stehen für Gut und Böse, Leben und Tod.
Auf dem Bierdeckel aus verfilztem Papier, das in der Kneipe für Ordnung sorgt und die flüssigen Elixiere aufnimmt, übersetzt Kleber rauschendes Stimmengewirr in eine Art Geheimschrift.
Der an den Ecken abgerundete Bierdeckel dient ihm als Rahmen. Rahmen für das umgewandelte Rauschen. Das Rauschen ist älter als das menschliche Ohr. Es macht alle Sprachen möglich und verbirgt sie zugleich. Unzählige ungleiche Wörter füllen gleichzeitig den geselligen Kneipenraum. Informationen überlagern sich. Der Kneipenraum wird zum Schallraum, Schallwellen zu Teilchen und die Teilchen zu Zeichenfragmenten.
Und wenn dieses g e l b dann in der deutschen Fahne ist, und diese Fahne ihre Geschichte hat und dann auf tausend Bierdeckeln landet, ist da der Teufel drin, und wie spiele ich da mit?
Wird der Duktus der Zeichen getragen durch den Klang und den Rhythmus der Wörter? Drei ist Dreh. Tanzspuren. Apokalyptischer Tanz in Tausend und einer Nacht. Totentanz. Die Spielkarten fächern sich. Ich bin ein Mittänzer. Kartenzauber. Ich ziehe die Karte mit dem Drachen. Wappentier. Gesetze der Heraldik.
Enge und Weite pulsieren auf ein Tausend hin.
Eine Lesbarkeit, die mir verschlossen bleibt, aber auf ein System verweist, dessen innere Ordnung oder Grammatik Rätsel bleibt. Chiffre für den Klang. Klebers Geheimschrift ermöglicht labyrinthische Kombinatorik von Bedeutungshorizonten. Wie die Zahlenmystik, Muster und Zeichen der Spielkarten zum Wahrsagen und Zauberei verführen, so enthalten die ornamentalen Strukturen der mittelalterlichen Buchmalerei kosmologische Zeichen.
Klebers apokalyptische Ornamente erinnern daran. Die ersten Eschatologien (eschata: die letzten Dinge) der frühen Völker bestand in dem Glauben an ein Weiterleben der Seele als einer Substanz, die den toten Körper bewohnt, solange Nahrung bereitgestellt war. Nach tausend Bieren lese ich bei der babylonischen Leberschau in den Strukturen der Verzweigung neues Buchstabieren zwischen Leerraum und Zeichenklirren.
Welche Karte ziehe ich als nächste?
Die Wahl einer Konstellation muss die des Zeitpunktes sein, zu dem die Seele in den Weltenlauf eintritt. Anfang Durchgang Ende. Und man geht erhitzt in den Abend mit den Zeichen des Himmels auf dem Bierdeckel aus Filz. Und die Zeichen der Karte beschreiben ein Angebot, Lebenslinien zu lesen.
Die wahren Möglichkeiten des Menschen liegen außerhalb dessen, was durch den vermeintlichen astrologischen Determinismus sein einziges Verhängnis zu sein scheint. Sie liegen im rechtzeitigen Lesen der Zeichen des gestirnten Himmels beschlossen. Rechtzeitig, das ist immer schon gewesen. 2)
Multimedia: Das Ende der Information, S. 10
2) Hans Blumberg Die Lesbarkeit der Welt, S. 45
Wer alle sechs auf der Einladung und dem Plakat abgebildeten Filze während der Ausstellungseröffnung am 1. April 2011 ab 19 Uhr
als Erster findet, erhält diese gratis und gerahmt am Ende der Ausstellung.
Dank an
Altenburger, Auerhahn, BEAG Berlin, Berliner Kindl, Bruno, Cardinal, Cruzcampo, Engelhardt, Falter, Leikheim, Perrier, Rex, San Miguel, Schels., Schultheiss, Weidmann
Kontakt:
Johann Manfred Kleber
Emai: jmkleber@googlemail.com
Tel.: (030) 533 63 08
Ausstellung von Johann Manfred Kleber mit dem Titel "Tausend Deutsche Filze"
Ausstellungsdauer: Samstag, dem 2. April bis Samstag, dem 30. April 2011
Ausstellungseröffnung: Freitag, den 01. April 2011, um 19:00 Uhr.
Karl-Kunger-Straße 15, 12435 Berlin
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 15:00 bis 19:00 Uhr
Zusätzliche Öffnungszeiten im April: Mo. bis Mi.: 11:00 - 15:00 Uhr

