20. Sept. 2007 - "Vendelzeit" - Szenische Lesung eines Hörspiels von Katrin Heinau
Veranstaltung: Vendelzeit - Hörspiel von Katrin HeinauSzenische Lesung mit Katrin Heinau, Oliver Bertz, Günter Wagner und Sven Wigger
Datum: Donnerstag, 20.9.2007
Zeit: 19.30 Uhr
Ort: Nachbarschaftsgalerie der KungerKiezInitiative, Karl-Kunger-Str. 15, 12435 Berlin Alt-Treptow
Am Donnerstag, dem 20.9.2007 um 19:30 Uhr, fand wieder eine Lesung in der Nachbarschaftsgalerie der KungerKiezInitiative statt. Präsentiert wurde „Vendelzeit“, ein Hörspiel von Katrin Heinau, szenisch gelesen von Oliver Bertz, Günter Wagner, Sven Wigger und der Autorin selbst. Der slawische Fürst Jaxa von Köpenick kehrt zurück und glaubt, erneut seinen Kontrahenten Albrecht den Bär besiegen, am Plänterwald eine Hauptstadt gründen und einen Nachfahren in die Welt setzen zu müssen. Ein Historienkrimi zwischen Gegenwart und frühem Mittelalter beginnt, in dessen Verlauf sich die Fakten im Frühnebel der Vorgeschichte verlieren. Der Text der in Alt-Treptow lebenden Autorin ist auch als ironischer Kommentar zur diesjährigen 850-Jahr-Feier der Mark Brandenburg zu verstehen.
Zum Text:
11.6.1157: Albrecht der Bär erobert die slawische Brandenburg.
2007: Das Land Brandenburg feiert 850 Jahre Bestehen der Mark.
Und wo sind die Slawen?
In "Vendelzeit" wird nicht die Siegergeschichte erzählt. Der unterlegene Kontrahent Albrechts, der slawische Fürst Jaxa von Köpenick, kehrt zurück. Aus der einstmals fast unbewohnten Mirica, der Heide zwischen Spandau und Köpenick, tritt die bärtige Erscheinung und begegnet, eine Mischung aus Penner, Zeitreisendem, Prahlhans und Geschichtsverbesserer, im Plänterwald einer gewissen Katrin (die man getrost in die Nähe der Autorin rücken darf). Die Schriftstellerin, die ihn nur von ihren Schreibtischlektüren her kennt, als halb sagenhaften Helden ihres Wohnbezirks, nimmt ihn mit zu sich nach Hause und stürzt sich in ein Abenteuer zwischen den Zeiten. Eine alternative Hauptstadt zu gründen an der Passlage des ehemaligen slawischen Sperrwalls in Treptow; Albrecht aus der brandenburgischen Erbfolge zu kicken; die Gründung Berlins durch das feindliche Geschlecht der Askanier zu verhindern; einen Sohn zu zeugen, der natürlich Barnim heißen muss – all dies steht nun auf dem Programm. Ein Historienkrimi bahnt sich an.
In drei formal unterschiedlichen Strängen erzählt das Hörspiel tagebuchartig aus Katrins Sicht, chaotisch personal über Jaxa und springt in flotten Dialogen ins frühe Mittelalter. Dem Irrwitz des Geschehens wird dabei breiter Raum gewährt.
Vendelzeit kann als literarischer Kommentar zum Feierjahr aufgefasst werden. Darüber hinaus ist das Hörspiel ein Versuch, Stimmen aus dem Frühnebel der Vorgeschichte einzufangen.

