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2. bis 30. Mai 2010 - Ausstellung von Ilsebill Zintel: "Textura" (Bildweberei & Photomontagen)

Im Mai zeigt die Nachbarschaftsgalerie Werke der Künstlerin Ilsebill Zintel. Die Ausstellung unter dem Titel "Textura" wird vom 2. bis 30. Mai 2010 zu sehen sein.
Die Vernissage findet am Samstag, dem 1. Mai,  um 19 Uhr statt.

Nachbarschaftsgalerie der KungerKiezInitiative e.V.
Karl-Kunger-Straße 15, 12435 Berlin
Öffnungszeiten: Do. bis So. 15 bis 19 Uhr (Zusätzlich: Sa. 10.30 bis 13 Uhr)

Ilsebill Zintel

TEXTURA


In TEXTURA steckt das alte lateinische Wort "textus",
das "Gewebe, Geflecht, Zusammenführung" bedeutet.Aus diesem Ursprung ergeben sich im weitesten Sinne auch Begriffe wie "Stofflichkeit", "Aufeinanderfolge", "Zusammenhang" oder gar "die Anordnung verschiedener Teile in einem Ganzen - meine Collagen und bildhaften Webereien haben damit zu tun.
Die Rückführung auf das Einfache, Zeichenhafte ist für mich dabei fast zwangsläufig: es führt zu Verdichtung, Symbol und Merkmal als Spur und Muster von Wesentlichem.

1941 in Berlin geboren, beendete ich Ausbildung und Studium als Webermeisterin, Diplomdesignerin, Bildweberin und Kulturpädagogin.
Neben verschiedenen anderen beruflichen Tätigkeiten wie z. B. Lehraufträgen im Bereich Stoffdesign an der Akademie für Werkkunst und Mode Berlin, handwerklich künstlerischer Arbeit mit Behinderten und Dozententätigkeit, arbeitete ich seit 1969 als Künstlerin im eigenen Atelier in Berlin, zwischen 1992 - 2005 mit Arbeitsaufenthalten in Portugal.

1972 erhielt ich eine Anerkennung für meine Arbeiten auf der Handwerksmesse in München und 1975 in Berlin anlässlich der Ausstellung: "Preis des Landes Berlin für das Gestaltende Handwerk".

1977 erteilte mir die Akademie der Künste Berlin ein Stipendium für die Villa Serpentara in Olevano Romana, Italien.

Von den vielen nationalen und internationalen Ausstellungen, an denen ich teilnahm, seien hier einige erwähnt:
1975/76: "Textile Objekte" im Schloss Charlottenburg Berlin (Wanderausstellung in verschiedenen Museen in der BRD)

1978: "Erste Biennale der deutschen Textilkunst", München

1980: "30 Jahre BBK Berlin" staatliche Kunsthalle Berlin

1981: "Magie de la tapisserie d'aujourd'hui" Salon d'automne, Paris

1982: "Biennale der deutschen Textilkunst", Krefeld

1988: "Zeit für Zeit", Einzelausstellung Kirche auf dem Tempelhofer Feld, Berlin

1997: "Kunst in der Klinik", Einzelausstellung städtische Klinik Brandenburg

2002: "Drei Künstler, drei Titel", Galerie "Stil und Bruch", Berlin

Arbeiten in öffentlichem Besitz:
Antependien in Berliner Kirchen
Wandteppich: Jugend-Verkehrsschule Britz
Textile Objekte: Berufsschule Coburg
Bildteppiche: Berliner Commerzbank
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Die Bildweberei, früher auch Bildwirkerei genannt, ist eine sehr alte Technik. Man denke an Penelope, die beim Warten auf die Rückkehr des totgesagten Odysseus ein Gewebe fertigte, das sie jede Nacht wieder auftrennte. Eine List gegen ihre Freier, da sie sich erst nach Fertigstellung des Webstücks wiederverheiraten wollte. Was sie webte war ein Bildteppich.
Man denke an die Wandteppiche der Burgen (und Kirchen) des Mittelalters mit großartigen Darstellungen aus der Mythologie, oder dem fürstlichen, religiösen und kirchlichen Leben. Sie schafften an den großen kalten Wänden eine gewisse Wärme, ließen sich leicht von Burg zu Burg transportieren und repräsentierten die Macht der Auftraggeber. Sie wurden in Klöstern und Manufakturen gearbeitet, die besonders kostbaren waren mit Gold und Seide durchwirkt. Im 18. und 19. Jahrhundert verkam die starke Ausdruckskraft dieser Kunstwerke mit der Vergrößerung der Farbpalette bis in feinste Nuancen zur bloßen, möglichst genauen Kopie von Gemälden. Erst im 20. Jahrhundert gab es Wiederbelebung und Erneuerung, als die Kraft der mittelalterlichen Bildteppiche wiederentdeckt wurde und man auf einfache Formen und Farben zurückgriff mit neuen Inhalten der sich demokratisierenden Gesellschaft. Die Entwicklung ging bis heute rasant vor sich. Der Bildteppich löste sich von der Wand, wurde zu Relief und räumlichem Objekt, kam vom Abbilden zur abstrakten Form, vom traditionellen Formenaufbau zur Einbeziehung verschiedenster textiler und nicht-textiler Techniken und Materialien, zur Struktur an sich. Der Künstler ist jetzt oft Entwerfer und Ausführender in einer Person.

Während meines künstlerischen Werdeganges habe ich verschiedene textile Bereiche bearbeitet, habe mich aber immer wieder der klassischen Bildweberei zugewendet, die durch ihre Technik des Aneinandersetzens von Formen aus eingewirkten Fäden eine ganz eigene Ausstrahlung hat. Bildgewebe wirken sehr intensiv und direkt und kommen ganz dicht an den Betrachter heran, was auch ihre große Fernwirkung ausmacht. Dies geschieht durch Struktur und Plastizität des Materials, die relativ geringe Farbpalette und die spezielle Lichtbrechung. Man könnte denken, sie saugen das Licht förmlich auf ehe es zurückgegeben wird. Auf mich übt diese Kunstform eine große Faszination aus, und ich strebe danach, ihre spezielle Sprache zu erfassen und für meine Inhalte einzusetzen. Gewebte Bilder kann man nicht malen. Meist haben sie einen Touch von Erdigem, Feststehendem, Aufgebautem, Schwerem. Spontanes Verändern ist beim Arbeiten schwierig, beim fertigen Stück fast unmöglich. So benutze ich für andere Bilder auch Techniken, die mehr das Leichte, Spielerische und spontane Vorgehensweisen ermöglichen: übermalen, überkleben, aufeinandersetzen, wegnehmen, dazutun, verändern, mit Verwendung von leichten Materialien wie Papier. So entstehen Collagen und Fotomontagen, wobei ich fast ausschließlich mit eigenen Fotos arbeite und gerne auch mal Zitate von meinen gewebten Arbeiten verwende.