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Schließung des Jugendprojekts 112 in der Wildenbruchstraße (31. Dezember 2007)

Jetzt ist es also traurige Realität geworden. Nachdem die Räumlichkeiten des Jugendprojekts 112 in der alten Feuerwache in der Wildenbruchstraße bereits im Juli 2007 wegen einer Asbestbelastung des Daches gesperrt wurden, waren die Mitarbeiter des Projekts provisorisch in einen Wagen des Zirkus Cabuwazi gezogen. Von dort aus übernahmen sie gelegentlich noch Einzelfallbetreung, sofern Ihnen von Bezirksseite solche überhaupt noch zugewiesen wurden. Aber auch damit ist jetzt Schluss. Ab dem 31. Dezember 2007 verfügt unser Kiez über keine Jugendsozialarbeit mehr. Der Träger VISTA e.V. hat seinen Mitarbeitern gekündigt bzw. umgesetzt, da der Bezirk das Projekt abgewickelt und den Geldhahn geschlossen. Das ist nicht nur traurig, sondern auch skandalös.
Das Jugendprojekt 112 war das einzige in unserem Kiez, dass sich um solche Jugendliche kümmerte, die sich aufgrund ihrer sozialen bzw. ethnischen Herkunft in einer benachteiligten Situation befinden. Die Mitarbeiter des 112 leisteten seit Jahren hervorragende Arbeit im Rahmen der sozialen Gruppenarbeit, der Einzelfallbetreuung und auch der aufsuchenden Arbeit. Sie waren immer dort, wo es Probleme gab, waren Ansprechpartner sowohl für die Jugendlichen als auch für die Anwohnerinnen und Anwohner.

Der zuständige Jugendstadtrat Dirk Retzlaff hat mehrfach öffentlich bekannt, dass er unzweifelhaft einen Bedarf im Kiez sehe. Fakt sei aber auch, dass es sich bei den betreuten Jugendlichen teilweise und zeitweise mehrheitlich um "Neuköllner" Jugendliche handelte, d.h. sie waren dort polizeilich gemeldet. Diese Situation entsteht aufgrund der Grenzlage unseres Kiezes. Die Einrichtung 112 liegt 35 m von der Bezirksgrenze entfernt. Unser Kiez ist eben für die meisten Menschen jenseits der Heidelberger Straße "Lebensraum" - aber ... für die Rechner des Bezirksamtes sind es eben "Neuköllner", die keinen Anspruch auf Dienstleistungen haben, die aus dem Finanztopf unseres Bezirks Treptow-Köpenick stammen. Darüber war es in der Vergangenheit mehrfach zu Unstimmigkeiten zwischen den Bezirksämtern der beiden Nachbarbezirke gekommen.
Leidtragende sind wieder einmal die Bürgerinnen und Bürger, hier insbesondere die Jugendliche, die in unserem Kiez "leben" auch wenn sie teilweise in Neukölln gemeldet sind.
Brisant wird die ganze Angelegenheit umso mehr, wenn man bedenkt, dass ab September 2008 unser ehemaliges Ernst-Friedrich-Gymnasium von einer Neuköllner Schule genutzt werden wird. Das bedeutet, dass sich mehr als 400 Jugendliche, die zum Teil als problematisch eingestuft werden, sich täglich vor, während und nach dem Unterricht in unserem Kiez aufhalten werden. Es ist davon auszugehen, dass dadurch Situationen entstehen werden, die eine verstärkte sozialpädagogische Intervention notwendig machen.

Die KungerKiezInitiative plant verschiedene Aktionen zu diesem Thema. Wer sich engagieren möchte, melde sich bitte bei uns. Wir brauchen in dieser Sache viele tatkräftige Unterstützung. Danke. 

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