Gewalt keine Chance geben -Bouché-Grundschule und Polizei unterschrieben Kooperationsvertrag
(Meldung vom 14. November 2007 - Berliner Abendblatt, Seite 3)Gewalt keine Chance geben
Bouché-Grundschule und Polizei unterschrieben Kooperationsvertrag
Treptow. Gleich mehrere Polizisten kamen am vergangenen Donnerstag in die Bouché-Grundschule in Alt-Treptow. Hier lernen 534 Mädchen und Jungen, darunter 170 aus 25 verschiedenen Ländern von vier Kontinenten. Stolz sind die Pädagogen darauf, dass im Sommer 44 Prozent der Sechstklässler für ihre guten Leistungen eine Empfehlung fürs Gymnasium und 47 Prozent für die Realschule erhielten.
Sucht nun auch diese Schule Polizeischutz? „Nein, wir hatten die Polizisten eingeladen, um einen Kooperationsvertrag zu unterschreiben", erklärte Schulleiter Dr. Tilo Rosenkranz. „Wir wollen unsere langjährige gute Zusammenarbeit mit der Direktion 6 verstärken und uns noch wirksamer mit allen Formen von Gewalt in der Schule auseinandersetzen."
Motto der Schule ist seit vielen Jahren: „Wehret den Anfängen." Deshalb ist es zum Beispiel üblich, dass den Schülern mitgebrachte Messer und andere Waffen sofort abgenommen werden. Seit vier Jahren gibt es das Konfliktlösungstraining „Faustlos" für die Fünft- und Sechstklässler und seit diesem Jahr das Projekt „Soziales Ler-
nen". Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Sportangebote zum Austoben und Kräftemessen auf friedliche Art. „Mit Freude stellen wir fest, dass sich immer mehr Schüler um ein gewaltfreies Miteinander bemühen", sagte Rosenkranz. „Das zeigt auch der Rückgang meldepflichtiger Gewaltvorfälle an unserer Schule." Polizeirat Thomas Radioff, selbst Vater von zwei Kindern, möchte die Treptower Schüler noch stärker über Gefahren im Alltag und Straftaten aufklären. Die Kinder sollen leichter und schneller erkennen, wann im Umgang untereinander Gesetze verletzt werden und wie man sich gegen „falsche" Freunde richtig wehrt, anstatt sie „cool" zu finden und alles mitzumachen.
Polizeioberkommissarin Judith Nitzschke, die Präventionsbeauftragte der Direktion 6, gibt künftig an der Bouche-Grundschule Sprechstunden für Schüler. „Ich möchte den Kindern frühe Formen von Gewalt bewusst machen wie Abwertung, Ausgrenzung und Erniedrigung. Damit beginnt in Klassen oder anderen Gruppen oft eine Gewaltspirale. Raus kommt man da nur wieder, wenn man Mechanismen und Wirkungsweise erkennt und sich Auswege sucht. Noch besser ist es natürlich, sich gar nicht erst in solche Situationen zu begeben und Opfer von Gewalt zu werden." Dazu sollen die Kinder in Anti-Gewalt-Veranstaltungen über ihre per¬sönlichen Rechte wie das Nein-Sagen aufgeklärt werden. Innerhalb der Berliner Polizei wurde extra dafür das Brettspiel „Lilly und Mo" mit verschiedenen Ereigniskarten entwickelt.
Und wenn es doch zu einem Gewaltausbruch kommt, dann sollte man sich unter der Telefonnummer 46 64 66 50 40 tatkräftige Hilfe holen, raten die Treptower Polizisten. (dö)

